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Lippenbändchen-Piercing
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Der menschliche Körper ist so unterschiedlich wie jeder Mensch. Wenn ein bestimmtes Piercing bei der einen Person machbar ist, so kann es sein, daß es bei einer anderen Person wegen unterschiedlicher anatomischer Gegebenheiten einfach nicht angebracht werden kann. So ein Beispiel ist das Piercen des Lippenbändchens, daß sich in den letzten Monaten immer größerer Beliebtheit erfreut. Oft kommen Kunden in ein Piercingstudio und möchten ein »Zahnpiercing« bzw. ein »Zahnfleischpiercing«. So was gibt es natürlich nicht, aber wenn im Schneidezahnbereich etwas funkelt, dann handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Lippenbändchenpiercing. Wenn ihr euch vor den Spiegel stellt, mit beiden Händen eure Oberlippe greift und nach oben zieht, dann erkennen die meisten in der Mitte der Lippe ein kleines Hautbändchen, das diese am Zahnfleisch festhält. Kannst du dieses Bändchen trotz extremer Straffung des Gewebes nicht erkennen, dann gehörst du zu den ca. 20 %, die kein Lippenbändchen haben. Entweder, weil es nie ausgeprä
gt war, bei einem Unfall abgerissen ist oder vom Arzt aus medizinischen Gründen entfernt wurde - überlebensnotwendig ist es nicht. Auch wenn das Bändchen vorhanden ist, kann es nicht immer gepierct werden. Ist es zu schwach ausgeprägt, sollte er/sie davon absehen. Manchmal ist es verknorpelt, was ein Vorteil oder Nachteil sein kann - die Entscheidung, ob gepierct werden kann oder nicht, muß der erfahrene Piercer treffen. Sind die anatomischen Voraussetzungen erfüllt, ist das eigentliche Piercen recht unproblematisch. Man verspürt höchstens ein leichtes Ziehen. Es fließt in der Regel auch kein Blut, da der Piercer die kleinen Gefäße in der Haut erkennen und umgehen kann. Die Abheilzeit verläuft bei der richtigen Schmuckauswahl (Material, Materialstärke, Innendurchmesser) ohne Komplikationen und sehr schnell. Leichte Entzündungen treten so gut wie nie auf und wenn, verschwinden sie meist rasch wieder. Bei anständiger Pflege sind zwei bis drei Wochen Abheilzeit fast schon als langsam zu bezeichnen. Nimmt man den
Schmuck irgendwann heraus, ist natürlich von außen keinerlei Narbe zu erkennen. Ist die Wunde verheilt, kann man den Schmuck beliebig mit allerlei Klemmkugeln und verschiedenen Innendurchmessern des Ringes variieren. Es sieht einfach gut aus. Je nach Plazierung sieht man ihn beim Sprechen oder erst beim herzhaften Lachen. Optische Voraussetzung für ein tieferes Tragen sind einigermaßen gerade Schneidezähne. Stehen diese nämlich schief, hängt der Ring und somit die Kugel schief. Das sieht nicht so optimal aus. Der Nachteil des Lippenbändchenpiercings besteht darin, daß es trotz korrekter Plazierung herauswachsen oder vom Körper abgestoßen werden kann. Kommt es im Schlaf zu einer Verletzung, sprich, der Ring wird in der Haut nach unten gerissen, wächst diese oberhalb des Stichkanals wieder zusammen. Passiert dies ein paarmal, muß der Ring logischerweise entfernt werden, da der Ring wegen mangelnden Gewebes immer wieder herausreißt. Ähnlich wie beim Bauchnabel oder der Augenbraue, kann es auch beim Lippenbändche
n zu einem Herauswachsen ohne äußere Verletzungen kommen. Der Körper stößt den Schmuck schlicht und ergreifend ab. Eine schmerzlose, aber langsame Prozedur. In seltenen Fällen kommt es auch zu einer Reizung des Zahnfleisches. Dann sollte man zunächst überprüfen, ob die Schmuckauswahl, vor allem bezüglich der Größe, stimmt. Wenn ja, und es kommt trotzdem zu einer Reizung, muß der Schmuck entfernt werden. Der Stichkanal wächst extrem schnell zu. Was in diesem Fall auch ein Nachteil ist. Verliert man den Ring beispielsweise kurz nach dem Einschlafen - also unbemerkt bis zum nächsten Morgen - oder hat bei Verlust keinen passenden Platzhalter zur Hand, so ist die Wunde oft schon nach wenigen Stunden verschlossen. Eine Zahnfleischreizung konnte ich persönlich noch nicht beobachten, halte es aber unter gewissen Umständen für möglich. Eine Schädigung der Zähne selbst halte ich dagegen für unwahrscheinlich, da der gesunde Zahnschmelz einiges aushalten kann. Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt des Lippenbändchenpierin
gs. Die Plazierung, das Stechen, der Einsatz! Hierbei handelt es sich um ein Piercing, das dem Piercer eine sehr große Fingerfertigkeit abverlangt. Genaugenommen braucht man dazu mindestens drei Hände - vier wären noch besser. Generell: Überlaßt das Piercen den professionellen Kräften - Selbstversuche gehen nach hinten los. Auch wenn ihr eurem Piercer ein paarmal zugeschaut habt, durch »Über-die-Schulter-gucken« wird man kein Piercer!
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